Anarchie für das Vereinigte Königreich

Während „God Save The Queen“ von den Sex Pistols im ganzen Land auf Kassettendecks gespielt und von den britischen nationalen Radiosendern verboten wird, kleidet Vivienne Westwood die Bandmitglieder in T-Shirts mit einem Bild von Queen Elizabeth II. und dem Titel des berühmten Tracks, der über die Augen der Queen gekritzelt ist. Die britische Modedesignerin und ehemalige Lehrerin wird die Mode- und Musikszene Großbritanniens in den nächsten Jahrzehnten weiterhin beeinflussen und nicht nur die Regierung und die nationalen Medien, sondern das gesamte System Großbritanniens provozieren und herausfordern.

Vivienne Westwood wird in den 70er Jahren zur Stylistin der berühmten Punkband Sex Pistols, dank ihres damaligen Partners und Managers der Band, Malcolm McLaren. Beide, die Band und die Designerin, schwelgen in rebellischem Ansatz und spielen gegen die Regeln – sie finden eine gemeinsame Basis: Westwood hat eine Plattform, um ihre antisystemische Designvision zu verfolgen, und die Sex Pistols können durch ihre Kleidung zeigen, wie sie ein heißes Thema sind. Vivienne plant die Botschaft, die sie durch die Outfits der Band an die Öffentlichkeit senden möchte, und führt die Sex Pistols zu Hakenkreuz-Elementen, Oberteilen mit Bildern der Königsfamilie und kontroversen Slogans wie „Only Anarchists Are Pretty“.

Westwoods Beziehung zu Malcolm McLaren kommt nur zwei Jahre nachdem sie einen Sohn aus ihrer früheren Ehe zur Welt gebracht hat, holprig in Gang. Das Paar lernt sich durch Viviennes Bruder kennen und versteht sich auf Anhieb. Schnell gründen sie eine kleine Boutique in London, die vor allem für ihre provokanten Ladenschilder bekannt ist. Jahrelang diente sie als Testgelände für die Marke Westwood. „Ich benutze meinen Laden als Schmelztiegel. Die Dinge, die dort sind, werden sich auch anderswo verkaufen... Es ist eine Art Marktforschung...“, erzählt sie dem Magazin The Face 1986. Der Laden wechselt im Laufe der Jahre seinen Namen, beginnend mit „Let It Rock“, das später zu „Too Fast To Live Too Young To Die“, „SEX“, „Seditionaries“ und schließlich „Worlds End“ wird – der endgültige Titel, der bis heute Bestand hat.

Verfasst von Julia Siechowicz

 

Zurück zum Blog